Hemingway aus Uruguay.

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Ich habe einen neuen Freund. Er heißt Gonzalo, kommt aus Uruguay, und er wäre wohl der ideale Partner zum Pferde stehlen. Oder für eine Kneipenschlägerei. Oder den Weltuntergang.

Gonzalo nimmt sich jetzt meiner an.

Er sagt, ich solle Boxen lernen: „You’ve got long arms. That’s the most important thing. Nobody will be able to even touch you.“
(„Du hast lange Arme. Das ist das Wichtigste. Niemand wird dich auch nur berühren können.“)

Gonzalo steht neben mir in der WG-Küche eines Kommilitonen. Er hat Statur und Stimme von Bud Spencer. Und während die anderen Bier saufen, trinkt er seinen mitgebrachten Whisky.

„I’m not saying you have to hit anyone. But when you’re out to party, you meet a girl, you know… And then somebody is up for trouble. You have to know how to fight. So you don’t get down on the first hit.“
(„Ich sage nicht, dass du dich prügeln musst. Aber wenn du feiern bist und ein Mädchen triffst, du weißt schon… Und dann macht irgendjemand Ärger. Du musst kämpfen können. Damit du nicht direkt beim ersten Treffer zu Boden gehst.“)

Gonzalo holt einen Eisklumpen aus dem Gefrierfach und steckt ihn in sein Glas. Er ist zu groß. Also nimmt er die Whiskyflasche und schenkt so lange ein, bis der Brocken passt.

Ich frage ihn, was er bisher studiert hat.

„International relations and cooking.“
(„Internationale Beziehungen und Kochen.“)

„You know, when it comes to cooking, it’s all about true food. I don’t like this Indian food, these curry things. You never see what’s in there. Could be anything. But a really good tomato sauce… I mean, everybody can cook a good tomato sauce. But a really good tomato sauce. Cooking for hours. That is true food.“
(„Ach, weißt du, beim Kochen sollte nur eine Sache wirklich von Bedeutung sein: Wahres Essen. Ich mag die indische Küche nicht, dieses Curry-Zeug. Du weißt nie, was da drin ist. Könnte alles mögliche sein. Aber eine wirklich gute Tomatensoße… Ich meine, jeder kann eine gute Tomatensoße kochen. Aber eine wirklich gute Tomatensoße. Die für Stunden köchelt. Das ist wahres Essen.“)

Gonzalo reicht mir sein Glas. Er schwöre auf irischen Whisky, sagt er. Der sei nicht so scharf, eher leicht süßlich. Trinke sich wie Saft.

Ich probiere. Es trinkt sich nicht wie Saft. Ich huste. „Easy to drink, isn’t it?“, sagt Gonzalo.

Ich denke, Ernest Hemingway kommt aus Uruguay.

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